Kommunikationsstrategin. Klarheitsstifterin

Sieben Tipps für klare Sprache: Warum „Wort-Salat mit Charisma“ nicht satt macht

Ich gebe es offen zu: Wenn jemand nur redet, um des Redens willen, schaltet mein Kopf sofort ab. Sobald Sätze künstlich aufgebläht werden oder der rote Faden fehlt, bin ich raus.

Das Spannende ist: Solche Menschen kommen oft erstaunlich weit. Sie werfen mit großen Worten und Versprechen um sich. Im Moment der Rede sind alle begeistert. Doch wenn man das Meeting verlässt, passiert oft zweierlei: Der Kopf ist schwer von der Wortflut – und das Ergebnis ist gleich null.

Vorsicht vor dem „Wort-Salat mit Charisma“

Wir kennen sie alle: Menschen, die einen ganzen Raum einnehmen. Sie reden viel, sie reden laut und sie wirken charmant. Aber Charisma ersetzt keine Inhalte. Wer viel verspricht, muss am Ende auch liefern.

Ich habe für mich beschlossen: Das möchte ich nicht. Weder für mich noch für meine Kunden. Denn wer klar spricht, zeigt Respekt vor der Zeit des anderen. „Keep it short and simple“ (KISS) ist deshalb einer meiner wichtigsten Leitsätze.

Egal ob in E-Mails, Meetings oder auf deiner Website: Wenn du dich klar ausdrückst, wirkst du kompetenter. Hier sind meine sieben wichtigsten Impulse – und wie du sie konkret umsetzt:

Klarheit wirkt überzeugend – Meine sieben Tipps

1. Starte direkt
Lass lange Einleitungen weg. Sag sofort, worum es geht.

Beispiel aus der Praxis

Vorher (Marketing-Blabla):
„Unser Ziel ist es, durch innovative Lösungsansätze die Synergieeffekte Ihrer Abteilungen zu maximieren und somit eine signifikante Steigerung der Gesamtperformance zu gewährleisten.“

Nachher (KISS):
„Wir helfen Ihren Teams, besser zusammenzuarbeiten, damit Sie schneller Ergebnisse liefern.“

2. Fokus auf den Leser
Frag dich: Was muss mein Gegenüber wirklich wissen? Alles andere kann weg.

3. Füllwörter radikal streichen
Wörter wie „eigentlich“, „vielleicht“ oder „ziemlich“ schwächen deine Aussage.
Sag nicht:
„Wir könnten eventuell …“

Sondern:
„Ich schlage vor …“

4. Schluss mit dem Konjunktiv
Der Konjunktiv ist eines der beliebtesten sprachlichen Verstecke in Unternehmen. Gerade in beruflicher Kommunikation liest man ständig Formulierungen wie:

„Ich würde mich freuen, wenn wir uns einmal austauschen könnten.“

Klarer wäre zum Beispiel:

„Wenn das Thema für Sie relevant ist, lassen Sie uns sprechen.“

Oder statt:

„Wir würden empfehlen, den Termin zu verschieben.“

einfach:

„Wir empfehlen, den Termin zu verschieben.“

Der Konjunktiv klingt höflich – oft aber auch unentschlossen. Wer Verantwortung übernimmt, spricht klar.

5. Kurze Sätze wirken stärker
Ein Gedanke pro Satz. Das gibt deinem Gegenüber Zeit, das Gesagte zu verarbeiten.

6. Mut zur Lücke
Du musst nicht alles sagen, was du weißt. Du musst nur das sagen, was jetzt wichtig ist.

Beispiel aus der Technik

Vorher (Fach-Chinesisch):
„Die native API-Schnittstelle ermöglicht eine bidirektionale Datensynchronisation in Echtzeit unter Berücksichtigung der proprietären Verschlüsselungsprotokolle.“

Nachher (KISS):
„Unsere Software tauscht Daten sicher und sofort mit Ihren bestehenden Systemen aus.“

7. Erst das „Was“, dann das „Warum“
Komm zuerst auf den Punkt und erkläre danach die Hintergründe. So wissen alle sofort, worum es geht.

Warum wir trotzdem oft schwafeln

Hinter komplizierter Sprache steckt oft Unsicherheit: die Angst, nicht verstanden zu werden oder nicht klug genug zu wirken. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nur wer eine Sache wirklich durchdrungen hat, kann sie einfach erklären.

In Unternehmen erlebe ich genau das immer wieder: Wenn Entscheidungen nicht klar sind oder Erwartungen unausgesprochen bleiben, wird auch die Sprache kompliziert. Dann entstehen lange Mails, endlose Meetings und Präsentationen voller Buzzwords.

Klarheit beginnt deshalb selten beim Schreiben – sondern beim Denken. Wer den Kern einer Sache verstanden hat, braucht keine großen Worte – sondern findet die einfachen.

Aus Überzeugung:

„Kommunikation ist nicht das Problem, sondern die Lösung.“

– Viola Ferrarello

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